7. Webmontag.talk in Mannheim
Am 7.2.11 fand der 7. Webmontag.talk am Hafenstrand im Musikpark Mannheim statt. Der in anfängliche und finale Diskussions- und Socializing-Runden eingebettete Hauptteil beinhaltete Präsentationen zu vier verschiedenen Themen. Diese boten einen Querschnitt von der Entwickler- und Administrationsebene bis hin zu philosophischen Fragen der Mensch-Maschine-Kommunikation und deren praktischen Nutzen aus Sicht der Anwender. Schon aufgrund dieser Unterschiedlichkeit der Themen konnte nicht jeder immer durch-, sondern musste manchmal einfach auch anders blicken. @FabianBeiner brachte diese Erkenntnis mit dem folgenden Tweet auf den Punkt: "Currently you can separate techies and non-techies from the look on their face.;)" Die Moderation der Präsentationen erfolgte durch Jennifer Moss (www.missmoss.de, im Folgebild links).
Als erste Rednerin präsentierte Stefanie Kegel (www.guerillagirl.de/blog, im Folgebild Mitte) ihr Thema "Mensch-Maschine-Kommunikation made easy". Ihr Anliegen war es, dem Publikum die Notwendigkeit zu vermitteln, mehr Menschlichkeit in die Kommunikation zwischen Mensch und Computer zu bringen. Die Übertragung des Begriffes Anthropomorphismus auf Computer erklärte sie mit den Worten "Wir mögen Dinge, die menschlich wirken". So könne man Anwendungen Gesichter geben, die den Menschen eher ansprechen, da dieser auf emotionaler Ebene kommuniziert. Wenn Stefanie Kegel sich einen Computer-Assisten backen könnte, dann hätte er zumindest diese relevanten Attribute: Höflich, nicht störend, die Bedürfnisse des Anwenders kennend, ja sogar dessen Fehler verzeihend. In der Folge wurden Thesen und Ansprüche durch konkrete Anwendungen plastisch dargestellt. So begrüßt Flickr den Anwender bei verschiedenen Aufrufen in unterschiedlicher Sprache, fordert auf diese Weise den Anwender und unterrichtet ihn gleichsam. Des Weiteren zeigte Stefanie eine Abbildung mit einer älteren Firefox-Fehlermeldung. Neben der Fehlermeldung selbst war ein ein Hinweis auf einen Lösungsweg zu sehen. Beachtlich, wenn man bedenkt, dass selbst heute noch bei vielen technischen Gerätschaften ein "Menschen-inkompatibler" Fehlercode ausgegeben wird. (Anm. d. Autors: Um so schlimmer, wenn dies bei Geräten geschieht, die für manche lebenswichtig sein können, wie z. B. Blutzuckermessgeräte. Ungünstig, wenn man dann nicht zufällig das Manual am Mann hat, das die Bedeutung der Fehlercodes erklärt). Am Beispiel Amazon wurde präsentiert, dass auf - den Arbeitsablauf störende - Popup-Windows verzichtet werden kann. Löscht man, mit oder ohne Intention, einen Artikel aus der Wunschliste, so gibt es keine Rückfrage, ob der Artikel tatsächlich entfernt werden soll. Stattdessen ermöglicht ein im Seitenverbleibsverlauf residierendes Instant-Reply ein unkompliziertes Undo der Löschaktion.
Das Thema von Martin Reichard (www.lotum.de) lautete "Performance Now! Was tun bei Besucherspitzen?" Lotum entwickelte und betreibt unter der Domain schueler.cc das zweitgrößte deutsche Schülernetzwerk. Da dieses wesentlich durch die Programmiersprache PHP und das Datenbankmanagementsystem MySQL getragen wird, zeigte Martin Reichard an konkreten Beispielen auf Code-Ebene, in welcher Weise zur Performance-Steigerung und zur Vermeidung von Engpässen beigetragen werden kann. So empfahl er, den per Default auf 100 gesetzten Parameter max_connections auf 1000 oder 2000 zu erhöhen. Bei der sich im Einsatz befindlichen Search-Engine InnoDB riet der IT-Leiter von Lotum die buffer pool size auf 6 GB einzustellen, insofern man beispielsweise einen Server mit einer RAM-Größe von 8 GB verwendet. MySQL benutzt diesen Speicher, um Tabellen und Indizes zu cashen. Gegenüber physikalisch bedingt langsameren Festplattenzugriffen erscheint hier der Gewinn an Performance evident. Schließlich gab Martin noch Tipps zur Webserver-Optimierung.
Als Spezialist in Sachen Suchmaschinen-Optimierung referierte Steffen Bastian (www.nexom.de) unter dem Titel "Relaunch - Aber bitte nicht, ohne dabei an Google zu denken". Steffen Bastian artikulierte, dass es wichtig sei, innerhalb eines Webseiten-Relaunches so früh wie möglich den SEO (Anm. d. Autors: Suchmaschinen-Optimierer) mit einzubeziehen. Wenn es sich um einen Domain-Wechsel handelt, müsse unbedingt unter der alten Domain eine permanente Weiterleitung zur neuen Präsenz eingerichtet werden. Auf der neuen Website ist es mittels "Canonical Tag" möglich und sinnvoll, Google mitzuteilen, dass sich fortan "hier" die Content-Quelle befindet. Steffen gab einige weitere Tipps, die hinsichtlich der optimierten Auffindbarkeit von Webseiten relevant erscheinen. Eine Seite, die zum Beispiel nur oder überwiegend aus Text in Form von Images gestaltet ist, wäre nicht sinnvoll, selbst bei Nutzung von ALT-Tags, die den Bildinhalt textuell darstellen. Interessant findet der Autor dieses Beitrages die gedankliche Gegenüberstellung der Präsentationen von Stefanie Kegel und Steffen Bastian. Stefanie favorisierte die zahlencodearme Kommunikation, während Steffen von einer 301-Webserver-Weiterleitung und von 404-Fehlerseiten sprach. Vielleicht waren ja diese Fehlercodes bei der Mehrheit des Publikums so geläufig, dass es niemand für erforderlich hielt, deren genaue Bedeutung an dieser Stelle zu hinterfragen.
Last but not least kam Kai Uwe Weidlich (www.medien-institut.de) zu Wort mit dem Thema "Wir sind das Netz - Kommunikationspsychologische Faktoren für den Erfolg in sozialen Netzwerken". Kai erklärte, dass sein Institut Marktforschung betreibt mit dem Schwerpunkt der Kommunikationsforschung. Soziale Netzwerke ordnete er ein als ein weiteres Massenmedium. "Der Erfolg von Massenmedien sei davon abhängig, inwieweit es gelingt, die Mediennutzungsmotive zu befriedigen", zitierte er Alan M. Rubin, der bereits in den 1940er Jahren seine Theorien zu den Massenmedien entwickelte. Als Motive für die Nutzung der Medien wurden genannt Zeitvertreib, Unterhaltung, Gewohnheit, Anregung, Spannung, Entspannung, inhaltliche Interessen aber auch der Eskapismus, also das Entfliehen aus der Realität in eine virtuelle Welt hinein. Wenn es um die Bedürfnisse der Menschen geht, darf Maslow einfach nicht fehlen. So kam die von ihm entworfene Bedürfnispyramide auch zur Sprache. Kai Weidlich verwies darauf, dass Soziale Netze z. B. in starkem Maße Sicherheits- und Selbstverwirklichungsbedürfnisse abdecken.
Bis zum nächsten Webmontag oder einem anderen Social Event! :o)
Links im Kontext der Veranstaltung:









